Reisebericht Similaunhütte im Ötztal
Endlich wird es wieder Sommer in den Tiroler Bergen! Und was gibt es da schöneres, als eine Wanderung zu einer schönen Berghütte umringt von schneebedeckten Gipfeln?
Ein ausgezeichnetes Wanderziel ist die Similaunhütte am hintersten Ende des Ötztals. Ganz in der Nähe, wo 1991 der „Geltschermann Ötzi“ gefunden wurde, befindet sich die wunderschöne Schutzhöhe fast direkt auf der Grenze zwischen Tirol und Südtirol. Ich habe diese Tour letzten Sommer gemacht und bin sozusagen auf Ötzis Spuren gewandert…
Meine Wanderung beginnt direkt im Bergsteigerdorf Vent, das circa 15 Fahrminuten von Sölden entfernt ist. Von dort aus durchstreife ich das lange Niedertal auf einem relativ breiten Weg, der erst gegen Ende etwas steiler wird. Nach etwa 2,5 Stunden habe ich das erste Etappenziel erreicht: Die Martin-Busch-Hütte, eine der vielen Schutzhäuser des österreichischen Alpenvereins. Bis dahin könnte man eigentlich auch gut mit dem Mountainbike fahren, ganz in dem modernen Bike & Hike Stil.
Nicht weit entfernt von der Alpenvereinshütte erblickt ich dann das erste mal das Tagesziel: Die Similaunhütte. Auf 3003m Höhe ist sie einer der höchst gelegenen Hütten in Tirol. Allerdings ist sie erst noch ganz schwer zu erkennen – das heißt, es wird noch seine Zeit dauern bis ich dort oben ankomme. Wer aber Gletscher und das ewige Eis so sehr liebt wie ich, für den ist die Strecke eine kurzweilige Geschichte. Immer wieder sieht man die Eisströme aus einer anderen Perspektive und so mache ich mir die ein oder anderen Gedanken über den Klimawandel. Früher hat der Niederjochferner sicher noch viel weiter ins Tal gereicht.
Um ein Uhr erreiche ich schließlich mein Ziel. Ich sitze direkt auf der Grenze zwischen Südtirol und Tirol und blicke auf den fast 3600 Meter hohen, eisüberzogenen Similaun. Für viele Bergsteiger ist die Similaunhütte Ausgangspunkt für diesen tollen Gipel, für mich nur einfach nur ein wunderschöner Ort zum sinnieren. Die Schutzhütte ist auch vom Südtiroler Schnalstal erreichbar – allerdings ist der Weg von dort viel steiler und anstrengender.
Nach einem sehr leckeren „Zwetschgendatschi“, breche ich wieder auf, schließlich will ich noch die Fundstelle von der Gletschermumie Ötzi besuchen. Nicht weit von der Similaunhütte entfernt wurde die gut erhaltene Leich 1991 entdeckt. 5300 Jahre später stehe ich direkt an dieser Stelle – am Hauslabjoch – wo „Ötzi“ wohl von schlechtem Wetter überrascht wurde und seinen Tod im ewigen Eis fand. Mich befällt ein komisches, mulmiges Gefühl, das mich kurz innehalten lässt.
Doch die Zeit drängt, schließlich stehen mir noch 4 lange Stunden Abstieg bevor. So verlasse ich schließlich diesen geschichtsträchtigen Ort und steige über Schneereste wieder zurück auf den Hauptweg. Leider gibt es nur diesen einen Weg zurück nach Vent und so ärgere ich mich nochmals, dass ich kein Mountainbike habe, um den Weg von der Martin Busch Hütte schneller zurückzulegen. Dafür bleiben mir noch einige Momente zum Nachdenken und Sinnieren, bevor ich wieder die Zivilisation erreiche. So verfliegt mein Ärger über das fehlende Mountainbike schnell und ich bin froh, soviel Zeit für mich zu haben...
Ein ganzer Tag auf Ötzis Spuren – was für ein Erlebnis!
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